CHRONIK DER STADT KÖLN


Eine kurze Geschichte der Stadt Köln (Teil 1: Römerzeit)
Weltgeschichte von Dr. Alexander Schug - auch als E-Book (PDF) kostenlos downloadbar

Köln in der Römerzeit 57 v.Chr.- 455 n.Chr.

Die Provinzhauptstadt


58 - 51 v.Chr.   Caesar erobert ganz Gallien einschließlich des Rheinlands, wo der Stamm der Eburonen siedelt. Bei einem Aufstand der Eburonen unter Ambiorix 54 v.Chr. kommen eineinhalb Legionen ums Leben. Caesar führt daraufhin einen Vernichtungsfeldzug gegen die Eburonen.
39 / 19 v.Chr.   Marcus Vipsanius Agrippa, Freund und Feldherr des Kaisers Augustus, siedelt die Ubier im Rheinland an und fördert die römische Kolonisierung Germaniens. Die Ubier legen auf einer Niederterrasse am Rhein eine zentrale umwallte Siedlung an, das Oppidum Ubiorum.
9 n.Chr.   Bei einem Aufstand der Cherusker im rechtsrheinischen Germanien werden in der Varus-Schlacht drei Legionen vernichtet. Augustus gibt daraufhin seinen Plan einer Provinz Großgermanien auf. Der Rhein wird zur endgültigen Reichsgrenze des römischen Imperiums.
50   Agrippina die Jüngere, 15 n.Chr. im Oppidum Ubiorum geboren, erreicht bei ihrem Onkel und Ehemann, Kaiser Claudius, daß Köln zu einer Kolonie römischen Rechts erhoben wird. Köln führt fortan den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) . 50 -70 n.Chr wird die römische Stadtmauer gebaut, die bis ins hohe Mittelalter besteht.
69    In der Krise des Vierkaiserjahres wird der Statthalter Vitellius in Köln zum Kaiser ausgerufen. Er unterliegt Vespasian, der sich als 4. Kaiser durchsetzt und die flavische Dynastie gründet.
um 89   Die CCAA wird zur Hauptstadt der Provinz Niedergermanien. An der rheinseitigen Stadtmauer wird der Palast des Statthalters von Niedergermanien gebaut, das Praetorium.
259 - 274   Gallisches Sonderreich: Postumus gründet in Köln ein vom Kaiserreich unabhängiges römisches Reich, das erfolgreich die Rheingrenze gegen die Germanen verteidigt.
310   Kaiser Konstantin läßt die erste feste Rheinbrücke errichten, die bis ins Frühmittelalter besteht. Nach ihren Abriß hatte Köln bis 1822 keine feste Rheinbrücke.
313   Maternus wird als erster Bischof von Köln in den Chroniken erwähnt.
4./5. Jh.   Einfälle verschiedener Germanenstämme verwüsten immer wieder das Rheinland und schwächen die römische Herrschaft.
455   Das römische Köln wird von den Franken erobert, die sich dauerhaft in Köln niederlassen.



Köln in der Frankenzeit 455 - 911

Unter Merowingern und Karolingern


455 - 508   Köln ist Hauptstadt des Königreichs der ripuarischen Franken , das von Sigibert dem Lahmen (ab ca. 470) beherrscht wird.
508 - 751   Clodwig gliedert nach der Ermordung von Sigiberts Sohn Cloderich das Königreich der Ripuarier in das Merowingerreich ein.
795   Karl I. der Große erhebt Köln zum Erzbistum mit den Suffraganbistümern Münster, Minden, Osnabrück, Bremen, Lüttich und Utrecht. Köln dient fortan als Missionszentrum für die heidnischen Sachsen und Friesen. Erster Erzbischof Kölns wird ein Berater Karls, Hildebold.
881   Normannen überfallen Köln und verwüsten es.



Köln im Mittelalter 911 - 1475

Bürgerstolz gegen Kirchenmacht


953 - 965   Erzbischof Brun von Köln, Bruder Kaiser Otto I. des Großen, gründet St. Pantaleon, St. Andreas und Groß St. Martin. Brun ist zugleich geistlicher und weltlicher Herr von Köln. Er baut das ottonisch-salische Reichskirchensystem mit auf.
983 - 991   Theophanu, Mutter Kaiser Otto III., führt für ihren minderjährigen Sohn die Reichsgeschäfte. Sie wird auf ihren Wunsch hin im Kölner Benediktinerkloster St. Pantaleon bestattet.
Ostern 1074    Annoaufstand: Aufstand der Kölner Bürger gegen Erzbischof Anno II., weil dieser ein Schiff der Kölner Kaufleute beschlagnahmt. Anno muß fliehen, wirft den Aufstand aber später nieder.
23. 6.1164  Erzbischof Reinald von Dassel bringt die Gebeine der heiligen drei Könige nach Köln.
um 1180   Zweite Stadterweiterung durch Bau der großen mittelalterlichen Stadtmauer
1248  Erzbischof Konrad von Hochstaden legt den Grundstein zum gotischen Dom.
1268   In der Schlacht an der Ulrepforte siegt das Kölner Patriziergeschlecht der Overstolzen über das der Weisen, welches mit dem Erzbischof verbündet ist.
5. Juni 1288   Die Ritterschlacht bei Worringen entscheidet über die Macht am Niederrhein. Die Kölner Bürger stehen auf der Seite des siegreichen Herzogs Jan I. von Brabant; der Kölner Erzbischof steht auf der Seite der Besiegten und verliert die Stadtherrschaft über Köln.
1388   Gründung der Kölner Universität, der viertältesten im Deutschen Reich
1396   Ein Aufstand der Handwerkerzünfte gegen die Patrizierherrschaft führt zu einer neuen Stadtverfassung für Köln: im Verbundbrief wird die Gaffelverfassung geregelt. 22 Gaffeln - Verbünde von Zünften und Kaufmannsgilden - stellen fortan den Rat der Stadt.
14. / 15. Jh.   Im Spätmittelalter ist Köln mit 40.000 Einwohnern die größte deutsche Stadt.



Die freie Reichsstadt Köln 1475 - 1794

Der Niedergang Kölns


Kölner Stadtwappen

1475   Kaiser Friedrich III. verleiht Köln für die Unterstützung im Neußer Krieg den Status einer freien Reichsstadt. Die Finanzen der Stadt sind jedoch durch den Krieg langfristig ruiniert.
16. Jh.   Der Niedergang der Hanse führt zu einer Verschlechterung der Kölner Wirtschaftslage. Köln wehrt sich gegen die Reformationsversuche zweier Kölner Erzbischöfe und wird ein Zentrum der katholischen Gegenreformation (Jesuiten in Köln).
1560   Die Bautätigkeit am Dom wird eingestellt. Der unvollendete Südturm mit dem Baukran auf dem Dach wird für Jahrhunderte zum Wahrzeichen Kölns.
1618 - 1648   Im Dreißigjährigen Krieg verhält sich Köln neutral und bleibt unbelagert. Der Krieg schädigt jedoch die Wirtschaft. Der Reitergeneral Jan von Werth wird zum Volkshelden, als er die Festung Ehrenbreitstein, die den Rheinhandel kontrolliert, von den Franzosen befreit.
1683 - 1686   Aufstand des Nikolaus Gülich gegen den korrupten Rat. Gülich scheitert nach Anfangserfolgen. Er wird verurteilt und in Mülheim hingerichtet.



Köln unter französischer Herrschaft 1794 - 1814

Modernisierung und Kunstraub

6.10.1794  Französische Revolutionstruppen ziehen in Köln ein. Die Verfassung von 1396 wird außer Kraft gesetzt. Die Franzosen beschlagnahmen systematisch Kulturgüter (Gemälde, Bücher). Aber sie sorgen auch für mehr Sauberkeit und Sicherheit auf den Straßen der Stadt.
9.6.1802  Die Aufhebung aller Klöster und Stifte und der anschließende Abriß vieler Kirchen im heiligen Köln führt zu unersetzlichen kunsthistorischen Verlusten.
1804   Napoleon besucht Köln und wird von den Kölnern begeistert empfangen. Einführung des Code Civil, der bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches 1900 gilt.
1814   Die Franzosen räumen angesichts vordringender preußischer Truppen die Stadt.



Die Preußen in Köln 1815 - 1918

Militarismus und Kirchenstreit


1815   Das katholische Rheinland fällt an die protestantische Großmacht Preußen. Köln wird von den Preußen zur Festungsstadt gegen die französische Bedrohung ausgebaut. Köln gehört fortan zur preußischen Rheinprovinz, deren Hauptstadt jedoch Koblenz wird.
20.11.1837  Kölner Ereignis: Der Kölner Erzbischof von Droste zu Vischering wird verhaftet, als er sich in der Mischehenfrage hart zeigt. Die Verhaftung ist der Höhepunkt einer heftigen Auseinandersetzung zwischen preußischem Staat und katholischer Kirche, die im Kulturkampf (1871-78) unter Bismarck erneut eskaliert.
4.9.1842   König Friedrich Wilhelm IV. legt den Grundstein zum Weiterbau des Kölner Domes. Der fertige Dom wird 1880 in Anwesenheit Kaiser Wilhelm I. feierlich eingeweiht.
1881   Sprengung der mittelalterlichen Stadtmauer. Die Industrialisierung (Schokoladenfabrik Stollwerck, Deutzer Motorenfabrik, Zuckerfabrik Pfeiffer & Langen) führt zu einem Kranz von industriell geprägten Vororten um Köln herum.



Köln in der Weimarer Republik 1919 - 1932


1917   Konrad Adenauer wird auf 12 Jahre zum Kölner Oberbürgermeister gewählt. Er drückt der Stadt durch vielfältige Aktivitäten seinen Stempel auf (Neueröffnung der Kölner Universität 1920, Grüngürtel, Müngersdorfer Stadion 1923, Messegelände in Deutz 1924, Niederlassung der Fordwerke 1930). 1929 wird Adenauer knapp wiedergewählt.
1918 - 1926   Besetzung des Rheinlands durch britische Truppen als Folge des Ersten Weltkriegs
1919 - 1932   Die kulturell und wirtschaftlich aufstrebende Metropole Köln hat während der Weimarer Republik ständig mit Armut, hoher Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot zu kämpfen.



Köln im Dritten Reich 1933 - 1945

NS-Gauhauptstadt und Bombenkrieg


12. 3.1933    Kommunalwahl in Köln: die NSDAP wird mit 39,6% stärkste Fraktion im Rat.
13. 3.1933    Oberbürgermeister Adenauer flieht frühmorgens aus Köln. SS und SA besetzen das Rathaus. Adenauer wird für abgesetzt erklärt und Günther Riesen (NSDAP) zum Nachfolger ausgerufen. Es folgt die Gleichschaltung der Stadtverwaltung. Mächtigster Mann in Köln ist fortan der Leiter des NSDAP-Gaues Köln-Aachen, Josef Grohé.
7.3.1936   Einmarsch deutscher Truppen über die Rheinbrücken in das entmilitarisierte Rheinland
16. 5.1940   Verhaftung und Deportation der in Köln lebenden Sinti und Roma. Diese Aktion dient als "Generalprobe" für die Verschleppung der Kölner Juden im folgenden Jahr.
31.5.1942   Erster britischer 1000-Bomber-Angriff auf Köln (5.000 Häuser zerstört, 469 Menschen tot)
6. 3.1945   Die Hohenzollernbrücke wird als letzter Rheinübergang von deutschen Pionieren gesprengt. Einmarsch des VII. Korps der 1. amerikanischen Armee im linksrheinischen Köln.
12.4.1945   Einnahme des rechtsrheinischen Köln durch die Amerikaner.



Köln nach 1945

Von der Trümmerlandschaft zur Medienmetropole

Die Tausendfüßler-(Ponton)-Brücke, gebaut 1945, neben den Trümmern der Hängebrücke   Köln 1945


21.6.>1945   Die Briten lösen die amerikanische Militärbesatzung ab.
1.1.1956   Der WDR trennt sich als selbständige Sendeanstalt vom Nordwestdeutschen Rundfunk.
30. 8.1956    Wiedereröffnung des restaurierten Domes anläßlich des Katholikentages.
12. 5.1962   Der 1. FC Köln wird Deutscher Fußball-Meister (4:0 gegen 1.FC Nürnberg).
23. 2.1969   Joseph Höffner löst Josef Kardinal Frings als Kölner Erzbischof ab.
4. 3.1974   Eröffnung des Römisch-Germanischen Museums
28.10.1980   Norbert Burger (SPD) wird zum neuen Kölner Oberbürgermeister gewählt.
15.11.1980   Papst Johannes Paul II. besucht Köln.
1986   Eröffnung des neuen Wallraf-Richartz-Museums/Museums Ludwig und der Philharmonie.
1995   Große Bauvorhaben werden beschlossen: die Köln-Arena in Deutz, ein Neubau des Wallraf-Richartz-Museum am Gürzenich und des Rautenstrauch-Joest-Museums am Neumarkt.

Köln heute

Text: © Oliver Meißner 1996