Museen in und um Köln


Kölner Karnevalsmuseum


Wilhelm Scheurer, Rosenmontagszug, 1906Die Ursprünge des Kölner Karnevals mögen bis in die Antike zurückreichen. Tatsache ist, daß erst seit 1823 "ordentlich" gefeiert wird. Damals gründeten einige Honoratioren der Stadt, Mitglieder der "Olympischen Gesellschaft" - u.a. Ferdinand Franz Wallraf und Heinrich von Wittgenstein - das "Festordnende Komitee". Das chaotische Treiben der Narren sollte fortan in geordneten Bahnen ablaufen. Zum Höhepunkt der Session wurde der Maskenzug am Rosenmontag. Garant der Ordnung war der "Held Karneval" - Vorgänger des Prinzen, der gekürt wurde, nachdem auch der Kölsche Fastelovend in der wilhelminischen Zeit kaisertreu geworden war. Für den Rosenmontagszug reichte damals der Neumarkt aus; heute ist der Zug sieben Kilometer lang und rollt über drei Stunden lang durch die Kölner Innenstadt. Aus einem romantischen Fest ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden. Eine Studie des renommierten McKinsey-Instituts errechnete jüngst, daß der "Kölsche Fastelovend" rund 3.000 Arbeitsplätze sichert und der Kölner Wirtschaft einen Gesamtnutzen von 500 Millionen DM beschert. Der Kölner Karneval ist eine ernste Angelegenheit, und es wird hart für ihn gearbeitet. Er ist nicht nur ein Saisongeschäft, das sich auf die "Fünfte Jahreszeit" (vom "Elften im Elften" bis Aschermittwoch) beschränkt, sondern Lebensinhalt für tausende "Jecken". Allein hundert Gesellschaften sind Mitglied des Festkomitees. Diese sind das ganze Jahr über aktiv. "Einmal Prinz zu sein" - das ist wohl der Traum jedes Karnevalisten.

Nicht nur für organisierte Karnevalisten interessant ist das Kölner Karnevals-Museum. Das Museum verfügt über einen Fundus von 16.000 Karnevalskostümen. Sie werden von den Aktiven getragen und kommen nach jeder Session geflickt und gereinigt zurück.

Schon zur Römerzeit wurde am Jahresende der Gott Saturn gefeiert. Während der "Saturnalien" bewirteten die Freien die Sklaven. Zu Ehren der Göttin Isis wurde ein Schiffswagen durch die Straßen gezogen; ob sich von diesem "Carrus navalis" das Wort Karneval ableitet, ist aber fraglich.
Später wurde aus dem heidnischen Kult ein christliches Fest. Wichtiger als der Rosenmontag war der vorausgehende Sonntag "Laetare" ("Freut euch!"), an dem das bereits nach dem Ende der Weihnachtszeit begonnene strenge Fasten und Büßen einen Tag unterbrochen wurde und man fröhlich feiern durfte. Das Wort Karneval hat wahrscheinlich in "carne vale" ("Fleisch adé!") seinen Ursprung.
Aus dem Fest der Winteraustreibung wurde der "Vastavent" (von dem das kölsche Wort "Fastelovend" ableitet), der Tag vor dem Beginn der vorösterlichen Askese. Auch damals galt also schon: Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Das ausgelassene "Mommen und Trommen" machte auch vor den Klöstern und Stiften nicht halt. Mönche und Nonnen feierten sogar bereits eine Woche vorher, nämlich an Weiberfastnacht; zur "Pfaffenfastnacht" wählte man sogar einen Narrenbischof.

Im bürgerlichen Zeitalter, das in Köln 1794 mit dem Einmarsch der Franzosen begann, wurde der Karneval zunächst einmal abgeschafft, galt er doch als Relikt des "Ancièn Regime". Als das Karnevalsverbot zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder aufgehoben wurde, geriet das tolle Treiben außer Rand und Band. Es fehlte ein Regulativ, denn die traditionellen Träger des Festes - Patrizier, Zünfte und Kirche - waren verschwunden bzw. hatten ihren Einfluß verloren. Dies führte zur Wiedergeburt des Kölschen Fasteleer aus dem Geiste der Romantik: als "volkstümliches" Fest, das von einem Komitee minutiös geplant wurde.

Das älteste schriftliche Dokument, das das Kölner Karnevalsmuseum aus dieser Zeit besitzt, ist das "Protokollbuch des Festordnenden Comitees" von 1827. Auf den Versammlungen der (ausschließlich männlichen) Komiteemitglieder wurden auch schon bald die ersten Orden verliehen - als Parodie auf die Ordensflut der deutschen Kleinstaaterei und des Militärs, aber dennoch als Belohnung ernstgemeint. Die erste Kölner Ordensmedaille stammt aus dem Jahre 1838. Ein Exemplar davon gehört zu den schönsten Schaustücken des Museums. Die Goldmedaille trägt die Aufschrift: "Weisheit im Narrenkleid bringt uns die goldne Zeit".

Von liberaler Gesinnung zeugt die Kölsche Narrenkappe, die "Fastelovendsmötz": "Gleiche Brüder, gleiche Kappen!" war die Forderung. Die Gesellschaftsmütze wurde bereits 1827 erfunden.

Koelscher BoorDas Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau (statt Prinz und Prinzessin, wie z. B. in Düsseldorf) ist eine kölsche Erfindung. Auch dies wird im großen Ausstellungsraum ausführlich dokumentiert. Das "Trifolium", das während der gesamten Session stets gemeinsam auftritt, gibt es erst seit 1883. Als Symbolfiguren vergangener reichsstädtischer Freiheit wurden Bauer und Jungfrau bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Rosenmontagszug eingruppiert, doch bis zum Kaiserreich führte der Held Karneval das alleinige Regiment.

Das Festkomitee von 1823 e.V. versteht sich als "Gesamt-Interessenvertretung des Kölner Karnevals". Tatsächlich vertritt es jedoch nur die Interessen seiner Mitglieder. Dementsprechend findet sich auch im Karnevalsmuseum nichts über den "inoffiziellen" Karneval, der in den letzten Jahren durch Veranstaltungen wie die Stunksitzung und den Geisterzug gerade die jüngere Generation wieder anspricht. Diese kehrt der offiziellen Brauchtumspflege in der Mehrzahl den Rücken, feiert aber begeistert den Straßen- und Kneipenkarneval und bereicherte das Fest um den Ritus der "Nubbelverbrennung". Längst gilt nicht mehr, was Wolfgang Niedecken 1981 in einem Song der Gruppe BAP sang: "Nit för Kooche bleev ich Karneval he", denn es gibt inzwischen für jeden Jeck eine Alternative zu Sitzungen, Bällen und Rosenmontagszug. Daß auch das Karnevalsmuseum diese erneute Reform des Karnevals eines Tages würdigen wird, bleibt zu hoffen.

Gekürzter und aktualisierter Text aus: Yvonne und Thomas Plum: Kunst, Kakao und Karneval - was Museen in und um Köln zeigen. J.P. Bachem Verlag. Köln 1995

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Kölner Karnevalsmuseum
Maarweg 134-136
50825 Köln (Braunsfeld)
Telefon +49(0)221/574 000
eMail: info@kk-museum.de



Exklusiv für Gruppen:
Karneval in Köln - ein unterhaltsamer Spaziergang zur "fünften Jahreszeit"

[Das Reitercorps Jan von Werth beim Rosenmontagszug in Köln] Alljährlich am "Elften im Elften" beginnt in der rheinischen Metropole die "fünfte Jahreszeit". Nach Weihnachten geht es dann richtig los. Erst am Aschermittwoch ist alles vorbei.
Die Kölschen genießen es, doch für die "Imis" stellen sich viele Fragen: Warum gibt es in Köln einen Prinzen, aber keine Prinzessin? Warum ist die Jungfrau im Dreigestirn ein Mann?
Wo treffen sich die Jecken zum Feiern? Was ist eine Büttenrede? Wie lautet der Eid der Roten Funken? Seit wann gibt es den Rosenmontagszug?
Bei diesem unterhaltsamen Altstadtbummel erfahren Sie alles über den Ursprung und die Bedeutung des "Fastelovend".
Max. 25 Personen, Gruppenpreis 160,- €
Zur Buchung

Kölner Karneval im Internet

karneval.de - Alles über den Kölner Karneval
karneval.org - das Karnevalsregister
Koelner-Karneval.info
Alles über den Karneval im Rheinland und Westfalen
fasching-karneval.net - Das große Onlinelexikon zum Karneval
Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V.
Geisterzug
Stunksitzung
Zugweg 2002
Museum Kölner Karnevalsorden von Hans-Jürgen Knopek
Kölner Karnevalsorden Museum von Karsten Lang
Große Kölner
Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V. (Rote Funken)
Blaue Funken
Altstädter Köln
Prinzengarde Köln
Bürgergarde Blau-Gold
Fidele Vingster
Fidele Zunftbrüder von 1919 e. V.
Große Dünnwalder KG Fidele Junge
Große Ehrenfelder KG Rheinflotte
Große K.G. Greesberger e.V
Kölnische Karnevalsgesellschaft 1945 e.V.
Kölsche Narren Gilde von 1967e.V.
Nippeser Bürgerwehr 1903 e.V.
Treuer Husar Blau-Gelb von 1925 e.V.
Vringsveedeler Dschungelbrööder
Willi Ostermann Gesellschaft Köln 1967 e.V.
Grosse Bensberger KG von 1968 rot-weiss
KKG "Mer han uns jefunge"
Kölner Torwache von 1925 e.V.
Rosa Funken Köln
Stammtisch Kölner Karnevalisten
KG Die Falkensteiner 1931 e.V. Köln-Kalk
Düxer Clowns
Römergarde Köln-Weiden
Tanz- und Musikcorps "KÖLNER TORWACHE" von 1952 e. V.
KG Löstige Flägelskappe Sürth 1968 Rot-Weiß e.V.
KG Fidele Bröhler Falkenjäger blau-gold von 1973 e.V.
Fatal Banal
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