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Frauenmacht und Männerherrschaft im Kulturvergleich
Mit der im November beginnenden Kunsthallenschau "Sie
und Er - Frauenmacht und Männerherrschaft im Kulturvergleich"
setzt das Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde
seinen Zyklus ethnologisch-soziologischer Ausstellungen zu Geschlechterfragen
fort. Vorangegangen waren 1985 die Projekte "Die Braut -
geliebt, getauscht, geraubt, gekauft. Zur Rolle der Frau im Kulturvergleich"
und 1990 "Männerbünde Männerbande. Zur Rolle
des Mannes im Kulturvergleich". Auch das neue Vorhaben soll
durch die kulturhistorisch vergleichende Betrachtung dazu beitragen,
die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Mann und Frau besser
zu verstehen.
In den Großstädten Europas lebt laut Statistik heute
mehr als die Hälfte aller Menschen in Einpersonenhaushalten.
Das Standardmodell Ehe scheint ausgedient zu haben und die offene
Partnerschaft zur bevorzugten Lebensform geworden zu sein. Soziologen
sprechen von einem "Kulturbruch". Daß sich eine
Ausstellung aus der Sicht der Ethnologie des Themas Geschlechterbeziehung
annimmt und die Schwierigkeiten, eine lebenslange Bindung aufrechtzuerhalten,
zu ergründen versucht, scheint an der Zeit. Der soziale Wandel
der Geschlechterrollen und -beziehungen ist vehement, dennoch
reagiert der Staat nur zögernd auf die gegenwärtige
Entwicklung mit einer Änderung der Gesetze. Um so mehr wird
auf diesem Gebiet geforscht. Dabei gibt es eine immense Vielfalt
an Ansätzen und widersprüchlichste Ergebnisse. Einige
der neuen Forschungsansätze will die Ausstellung vorstellen
und gleichzeitig durch Zeiten und Kulturen der Geschichte der
Geschlechterbeziehung nachgehen. Stereotype sollen hinterfragt
und die kulturelle Bedingtheit von Gegebenheiten aufzeigt werden,
die wir nur allzuleicht mit "Biologie" oder "Natur"
zu erklären bereit sind. Der rote Faden der Schau nimmt seinen Anfang bei einem Zitat des griechischen Tragödiendichters Aischylos (525 bis 456 v. Chr.) aus der Rede des Apollon in der Orestie: "Die man wohl Mutter heißt, ist des Gezeugten Zeugerin nicht, ist Amme nur des frisch gesetzten Keims. Es zeugt, der sie befruchtet; sie hütet Anvertrautes nur, dem Gut des Gastfreunds gleich..."
Am Ende der Schau steht ein Wort der in Köln lehrenden österreichischen
Künstlerin Valie Export: "zur mythologie unserer christlichen
zivilisation gehört als geheimes fundament die infame gleichsetzung
des männlichen und des schöpferischen prinzips".
Zwischen diesen beiden Polen entfaltet die Ausstellung in zwölf Stationen ein kulturgeschichtliches Panorama, das in einer facettenreichen Darstellung die Frage der männlichen Kompensation weiblicher Gebärfähigkeit verfolgt. Dabei geht es darum, die Diskussion anzustoßen und eine fruchtbare Unruhe auszulösen.
Josef-Haubrich Kunsthalle![]()
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