Museen in und um Köln


Haus des Waldes

Greifvogelstation

Greifvogelstation Gut Leidenhausen
Obstmuseum


WaldEs ist Sonntag, schönes Wetter, und Sie würden gerne mit der Familie etwas unternehmen. Am liebsten raus ins Grüne, irgendwohin, wo man vielleicht auch noch grillen kann. Andererseits soll es aber auch nicht einer von den öden Nachmittagen werden, an denen man sich ausschließlich von der Sonne braten läßt und anschließend den Bauch mit Koteletts vollstopft. Wissen Sie was? Ihnen kann geholfen werden! Besuchen Sie doch einmal das Haus des Waldes auf dem Gut Leidenhausen. Zugegeben, es liegt im Rechtsrheinischen, und der Weg dorthin soll ja so manchem Kölner schwerfallen. Trotzdem: mit Kindern und bei schönem Wetter lohnt es sich allemal.

Das Gut Leidenhausen ist ein altes Rittergut, das zum erstenmal 1329 erwähnt wurde. 1961 kam es in den Besitz der Stadt Köln. Nach und nach entstanden auf dem Gutsgelände ein Wildgehege für Schwarz- und Rotwild, eine Greifvogelschutzstation, eine Waldschule, mehrere Liegewiesen, ein großer Sandspielplatz, diverse Grillplätze und ein großer Parkplatz. Auf etwa 12 km Wanderweg kann Natur "live" erlebt werden. Als Ergänzung dazu wurde 1982 das Haus des Waldes in einem Gebäudetrakt des Hofgutes eröffnet.

Wald Schon vor dem Museum hat man ein Zeichen gesetzt, daß in der Natur leider längst nicht mehr alles im Lot ist. Der Stubben einer 300 Jahre alten Ulme, die im Vorort Weiler von Käfern vernichtet wurde, erinnert an das Ulmensterben und die Tatsache, daß Ulmen seit der Dürre von 1976 aus Kölns Stadtwäldern verschwunden sind. Man gelangt nun zunächst in einen kleinen Raum im Erdgeschoß. Hier und im rechten Teil sowie im linken Eingangsbereich des Obergeschosses wird durch Ausstellungsstücke und Bilder die Waldentwicklung über viele Millionen Jahre hinweg dokumentiert. Am eindrucksvollsten sind dabei auf den ersten Blick der 200 Millionen Jahre alte, versteinerte Stamm eines Baumes aus Arizona und die ebenfalls versteinerte Baumscheibe einer 60 bis 70 Millionen Jahre alten Eiche aus Washington, Oregon, die so blankpoliert wurde, daß sie fast wie ein riesengroßer Edelstein wirkt. Eindrucksvoll ist es aber auch nachzuvollziehen, wie stark das Eingreifen des Menschen das Erscheinungsbild des Waldes verändert hat.

Wendet man sich nun im linken Teil des Obergeschosses nach rechts, so erfährt man, wie aus einem herabgefallenen Blatt und einem Stubben Humus wird, aus dem wieder eine neue Pflanze wachsen kann. Als nächstes gelangt man zu einer riesigen Weltkarte, die die Waldzonen der Erde zeigt. Alle Waldsorten, die hier zu finden sind, vom nördlichen Nadel- bis zum tropischen Regenwald, hat es irgendwann auch bei uns gegeben.

WaldGegenüber geht es um die "Waldgesellschaften" der verschiedenen Flußterrassen entlang des Rheines. Ein Wald besteht ja schließlich nicht nur aus einer Baumsorte (es sei denn, es handelt sich um eine vom Menschen geschaffene Monokultur). Bestimmte Pflanzen treten immer wieder in Gesellschaft mit bestimmten anderen Pflanzen auf, z.B. weil sie die gleiche Bodenbeschaffenheit lieben. Als nächstes wird auf die Jahresringdatierung oder, wie es wissenschaftlich heißt, Dendrochronologie eingegangen. Was so schwierig zu erklären scheint, nämlich, woher man eigentlich wissen will, in welchem Jahr etwa die Eiche für den Balken eines bestimmten Fachwerkhauses gefällt wurde, stellt sich hier als alles andere als Hexerei heraus. Auch die Wachstumsvorgänge im Baum werden mit Hilfe einer Tafel, die so komplizierte Dinge wie die Photosynthese veranschaulicht, für jedes Kind verständlich. Eine besondere Abteilung ist den Pilzen gewidmet, die wir ja meistens nur in "eßbar" und "giftig" unterteilen. Bestimmte Pilze können aber als Schmarotzer auch Wirtspflanzen, auf denen sie leben, zerstören. So ist das Ulmensterben durchaus nicht nur auf den Fraß des Ulmensplintkäfers und seiner Larven zurückzuführen, sondern vor allem auf den Befall durch einen Fäulepilz, der von dem Käfer übertragen wird.

WaldIn einem Waldmuseum dürfen natürlich die Tiere nicht fehlen. Da dies ja kein Zoo ist, können sie nur in präpariertem Zustand gezeigt werden. Aber keine Angst: sie werden nicht in der Art einer Schmetterlingssammlung präsentiert, sondern in mehreren Vitrinen hat man verschiedene Lebensräume mit der für sie typischen Fauna und Flora gewissermaßen als "Stilleben" aufgebaut. Wenn Sie jetzt noch Lust haben, können Sie sich als Abschluß im Nebenraum die "Ökovision" anschauen, eine audiovisuelle Show, die die Schönheit, Vielfalt und Bedeutung der Wälder zeigen, den Betrachter betroffen machen und ihn zum aktiven Engagement für den Erhalt dieses kostbaren Erbes auch für kommende Generationen anregen soll. Neben dem der "Ökovision" gewidmeten Bereich gibt es noch genug Platz für gelegentliche Sonderausstellungen zu wechselnden Themen. Auch ein Seminarraum ist hier noch untergebracht. Außer für Familien und eingefleischte Waldfreunde ist dieses Museum natürlich für Schulklassen besonders interessant.

Während der normalen Öffnungszeiten gibt es aufgrund des hohen Besucheraufkommens keine Führungen. In der Woche kann man aber nach Absprache eine anderthalbstündige Führung bekommen. Das Haus des Waldes ist leider nur sonn- und feiertags geöffnet, und zwar in der Zeit vom 1. 4. bis 30. 9. von 10 - 18 Uhr, in der Zeit vom 1. 10. bis 31. 3. von 10 - 17 Uhr. Der Eintritt beträgt DM 2.- pro Person, Kinder bezahlen DM 1.-, und für DM 5.- gibt es eine Familienkarte. Es empfiehlt sich, an der Kasse gleich das Begleitbuch "Wald im Wandel" zu kaufen. Das ist nämlich kein Museumskatalog, sondern eher eine Art Handbuch, in dem alles noch weit ausführlicher erklärt wird als auf den Schrifttafeln im Museum.

Haus des Waldes

  • Gut Leidenhausen
  • 51147 Köln (Porz-Eil)
  • Tel. (0 22 03) 3 99 87

aus: Yvonne und Thomas Plum: Kunst, Kakao und Karneval - was Museen in und um Köln zeigen. J.P. Bachem Verlag. Köln 1995

© Text: J.P. Bachem Verlag
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