Museen in und um Köln


Museum Zündorfer Wehrturm

Der Wehrturm stammt vermutlich aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Leider sind nur noch die Außenmauern original. Der Innenausbau in Sichtbeton (19751980) erfolgte nach den Plänen des Architekten Gottfried Böhm und korrespondiert in ästhetischer Hinsicht mit der in den 70er Jahren neugestalteten Porzer City.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Turm erstmals er wähnt. In dem 1380 geschlossenen Ehevertrag zwischen dem Ritter Ludwig von Zündorf und seiner Braut Aylken van Broicke verschreibt der Bräutigam ihr u.a. den Anteil an dem "Torne gelegen zu Zudendorp". (übrigens war ein Vorfahre des Zündorfer Ritters, Richwin I., im Gefolge Rainald von Dassels, als dieser Kaiser Barbarossa half, die Stadt Mailand zu erobern. Angeblich war er so gar an der šberführung der Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln beteiligt.)
Im Mittelalter bildete der wuchtige Turm (20 Meter hoch) eine starke Befestigung; damals lag er noch direkt am Rheinufer, so daß die Wasserstraße von seinem Besitzer leicht überwacht werden konnte. 1965 erwarb die Stadt Porz den Turm, der damals zu einem Bauernhof gehörte. Zur Außenstelle des Kölnischen Stadtmuseums wurde er dann nach der Eingemeindung von Porz.

Porz wurde erst 1951 zur Stadt erhoben; damals hatte die rechtsrheinische Kommune 32.000 Einwohner. 1975 wurde sie dann nach Köln eingemeindet sehr zum Leidwesen vieler Lokalpatrioten. Der Versuch, die Selbständigkeit zurückzuerhalten, scheiterte. Dagegen war die auf der linken Rheinseite Porz gegen über gelegegene Gemeinde Wesseling erfolgreicher: Wesseling wurde wieder Stadt. Damit war der Traum der Kölner von der Millionen stadt erst einmal ausgeträumt; erst 17 Jahre später war die Einwohnerzahl von 1 Million wieder erreicht. Man sieht, die Porzer und die Kölner sind schwer unter einen Hut zu bringen. Das mag einerseits in dem Vorurteil begründet sein, daß die "schäl Sick" - das rechte, "falsche" Rheinufer - "eigentlich" nicht mehr kölnisch ist. Tatsächlich wurden die ersten rechtsrheinischen Vororte wie z. B. Deutz erst ab 1888 eingemein det. Andererseits bestand zwischen den Bewohnern des "Amtes Porz" (zu dem u.a. auch Mülheim und Bergisch Gladbach gehörten) und den Bürgern der Freien Reichsstadt Köln schon im Mittelalter ein starkes wirtschaftliches Gefälle. Köln besaß nämlich das Stapelrecht. Das beinhaltete, daß alle Handelsschiffe am Kölner Ufer anlegen, ihre Waren ausladen, prüfen, verzollen und mindestens drei Tage lang in eigens dafür eingerichteten Lagerhäusern "stapeln" lassen mußten. Die beste Qualität und auch der Profit blieb in Köln, denn die Kölner hatten das Vorkaufsrecht und das Privileg, die fremden Waren als eigene Handelsgüter zu vermarkten.

PORZ Die rechtsrheinische Bevölkerung war also gezwungen, ihre Einkäufe in Köln zu machen. Deshalb legten es die Bewohner des von Köln aus nicht einsehbaren Porzer Rheinbogens darauf an, den Kölner Stapel zu umgehen. Dem am Rheinufer gelegenen Ort Zündorf kam dabei wegen seiner strategisch günstigen geographischen Lage eine besondere Rolle zu. In Niederzündorf lud man oberrheinische Waren von den Schiffen und transportierte sie durch das Bergische Land nach Mülheim. Zwei Rheinkräne ermöglichten auch das Beladen der "Oberländer" (wie die mit Pferden an Seilen gezogenen, "getreidelten" Lastkähne hießen) mit Erzeugnissen aus dem bergischen und oberrheinischen Hinterland. Die Kölner "Pfeffersäcke" konnten gegen diesen "Schmuggel" der für Köln bestimmten Waren nichts machen.

Das lukrative Handelsgeschäft der Zündorfer ging im 19. Jahrhundert zu Ende. So heißt es zwar in einer "Topographisch-Statistischen Beschreibung der Königlich-Preußischen Rheinprovinzen" aus dem Jahre 1830 über die (Nieder)Zündorfer "Spedition über den Rhein": "Die Gegenstände seiner Versendungen nach dem Oberrhein bestehen teils in Colonialwaaren und Seeprodukten, die es über Duisburg, Düsseldorf und Mülheim um Köln herum zu Lande erhält, theils aus den Produkten und Fabrikaten des Bergischen Landes. Die Gegenstände der Versendungen nach dem Unterrhein bezieht es hauptsächlich von Mainz und namentlich Weine auch von anderen Plätzen des Mittelrheins und aus der Mosel, welche ebenfalls um Cöln herum weiter geschickt werden." Aber ein Jahr später wurde das Stapelrecht aufgehoben. Dadurch wurde die Rheinschiffahrt erleichtert, und Zündorf büßte seine Bedeutung ein.

turm-zuendorf

Museum Zündorfer Wehrturm

  • Hauptstraße 181
  • 51143 Köln (Porz-Zündorf)
  • info@zuendorfer-wehrturm.de
  • Öffnungszeiten
  • Mittwoch 15 bis 18 Uhr
  • Samstag 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag 14 bis 18 Uhr
  • und nach Vereinbarung
  • Telefon während der Öffnungszeiten: 0 22 03 / 8 52 50
aus: Yvonne und Thomas Plum: Kunst, Kakao und Karneval - was Museen in und um Köln zeigen. J.P. Bachem Verlag. Köln 1995

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DIE KÖLNER EINGEMEINDUNGSPLÄNE FÜR DEN RAUM PORZ IN DEN JAHREN 1919 BIS 1951
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