Spendenfinanzierung in neuem Gewand

Die Crowdfunding-Szene datiert den Beginn ihrer Geschichte gern auf das Jahr 1885. Nach den Turbulenzen an der Börse zwölf Jahre zuvor geriet damals die Finanzierung der Freiheitsstatue in New York durch öffentliche Gelder derart ins Wanken, dass der Sockel schließlich nach einem Zeitungsaufruf aus Spenden der Bevölkerung bezahlt wurde. In fünf Monaten war das Geld beisammen, drei Viertel der über hunderttausend Einzelspenden Spenden lagen - umgerechnet auf heutiges Preisniveau - unter zwanzig Euro.

Spenden ohne wirtschaftliches Interesse

Was man wohl bis vor Kurzem einfach Spendensammlung genannt hätte, heißt heute Crowddonation. Donation ist das englische Wort für Spende, crowd bezeichnet eine Menschenmenge. Und damit sind die charakteristischen Merkmale genau beschrieben - eine Finanzierung durch eine große Zahl meist kleiner Geldspenden, wie vor über 130 Jahren in New York. Crowddonation fällt unter den Oberbegriff Crowdfunding. Übersetzt wird dieser meist mit Schwarmfinanzierung. Dazu gehören aber nicht nur Spendenprojekte, sondern auch solche mit wirtschaftlicher Zielsetzung wie Privatkredite bzw. P2P-Kredite (Crowdlending) und Unternehmensbeteiligungen (Crowdinvesting). Während hier Zinsen bzw. Anteile am Gewinn gezahlt werden müssen, gibt es beim Crowddonation keine oder allenfalls geringwertige materielle Anreize, erläutert der Crowdfunding-Ratgeber von www.cloudkredit.com.

Ideal für Kreativkünstler

Damit bietet sich Crowddonation als ideale Finanzierungsform für Projekte an, die nicht zwingend auf eine Gewinnerzielung ausgerichtet sind. Autoren, die (noch) keinen etablierten Vertrag gefunden haben, und Musiker ohne lukrativen Plattenvertrag nutzen ihre Fangemeinde, um Geld für ein neues Buch bzw. Album einzusammeln. Loben Sie dafür eine Gegenleistung aus, spricht man auch von Crowdsupporting. Der Anreiz kann zum Beispiel in einer signierten Limited Edition des Werks bestehen, die man nicht kaufen kann. Größere Spender belohnen die Künstler mit einer Autorenlesung im privaten Rahmen oder einem Wohnzimmerkonzert. Crowddonation schlägt hier zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens wird die Kasse gefüllt, zweitens vergrößert sich der Interessentenkreis, weil die Geldgeber mit hoher Wahrscheinlichkeit als Multiplikatoren fungieren. Wichtig ist ein guter und intensiver Kontakt zwischen dem Initiator und seinen Sponsoren. Kleine Terminüberschreitungen fallen nicht ins Gewicht, wenn die Geldgeber gut informiert sind und mit kleinen Kostproben bei Laune gehalten werden.